Corona und die Folgen Teil 10

ZEIT WISSEN 3: Verleihung des Communicatorpreises, Universitäre Lehre als permanenter Lernprozess, Interviewreihe #LehreAusCorona des WR, Wie geht die Welt mit Corona um? - eine Umfrage u.a.m.

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+++ Der Virologe Christian Drosten hält in den kommenden Monaten wieder mehr bundeseinheitliche Regelungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie für notwendig. Das Virus werde sich immer gleichmäßiger verteilen, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Es sei gut, „wenn es klare Regeln gibt. Das ist ganz eindeutig“, sagte Drosten. Sie durchzusetzen sei angesichts einer regional unterschiedlichen Häufigkeit der Krankheit derzeit verständlicherweise noch schwierig.

+++ An den Berliner Hochschulen stehen die Corona-Ampeln auf gelb. Damit reagieren die Verantwortlichen auf die verschärfte Corona-Lage in Berlin, meldet der Tagesspiegel. Das bedeutet, dass ab sofort beispielsweise Maskenpflicht im Hörsaal gilt.

+++ In der ZEIT-Serie „Worüber denken Sie nach?“ spricht Elisabeth von Thadden mit Uwe Schneidewind über Lokalpolitik in der Corona-Krise. Der Ökonom wurde frisch zum Oberbürgermeister von Wuppertal gewählt. Bis Ende April war er Präsident des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.

+++ Die Zahl der Neuinfektionen steigt und erreicht den höchsten Stand seit April. Im Zentrum Berlins sind mehrere Stadtteile zum Hochrisikogebiet erklärt worden, die Bundeshauptstadt verhängte eine nächtliche Sperrstunde. Und es beginnt, was im vergangenen Frühjahr zum Alltag gehörte: Präsenzveranstaltungen werden pandemiebedingt abgesagt. Der Stifterverband und die Deutsche Forschungsgemeinschaft haben das in dieser Woche getan und die für Dienstag geplante Verleihung des Communicatorpreises an Robert Arlinghaus verschoben. Der Berliner Virologe Christian Drosten sollte an dem Abend mit einem einmaligen Sonderpreis geehrt werden.

+++ Peter-André Alt hat die Politik davor gewarnt, die digitale Lehre als Sparmodell zu begreifen. „Es braucht eine verlässliche Finanzierung der Infrastruktur“, erklärte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz gestern in seiner Keynote beim UniversityFutureFestival. Dringend nötig seien daneben bundesweit einheitliche Regeln für die Lehrverpflichtung und eine Urheberrechtsnovelle. In der Pflicht sieht Alt auch die Hochschulen. Sie müssten „verbindliche Maßnahmen zur regelmäßigen Qualifizierung in der Lehre“ treffen. Lehrende dürften sich dem nicht entziehen können, betonte Alt und: „Wir müssen Lehre als einen Prozess denken, der permanentes Lernen erfordert.“ Die digitale Konferenz endet heute. Das Hochschulforum Digitalisierung hatte sie organisiert, um das digitale Sommersemester 2020 zu bilanzieren und die Zukunft der digitalen Lehre an Hochschulen abzustecken.

+++ Die Interviewreihe des Wissenschaftsrats #LehrenAusCorona geht in die dritte Staffel. Die Gesundheitsforschung und die Universitätsmedizin stehen im Zentrum der Gespräche. Nahezu zeitgleich startete der Verband Deutscher Universitätskliniken eine Imagekampagne (BibliomedManager). „Unser Wissen. Unsere Erfahrung. In jeder Situation. Spitzenmedizin für Deutschland“, steht auf den Plakaten, die seit diesem Monat in großen Städten und Online-Medien zu sehen sind. Die Pandemie verschärft die wirtschaftliche Lage der 28 Unikliniken in Deutschland. Nach VUD-Angaben gaben die Kliniken im Jahr 2019 bereits rund 310 Millionen Euro mehr aus als sie einnahmen.

+++ Der Präsident der US-amerikanischen Universität Notre Dame, John Jenkins, ist mit dem Corona-Virus infiziert – und gerät nun unter Druck (InsideHigherEd, Chronicle). Studierende fordern seinen Rücktritt, weil er gegen Hygiene-Regeln verstieß. Jenkins war am 26. September im Rosengarten des Weißen Hauses, als US-Präsident Donald Trump die Juristin Amy Coney Barrett als Kandidatin für den Supreme Court vorstellte. Bei dem Ereignis saßen die rund 150 Gäste dicht an dicht, gaben sich die Hand und die wenigsten trugen Masken. In Medienberichten ist John Jenkins ohne Maske in der Menge zu sehen. Nun leidet er unter Covid-19 – wie eine ganze Reihe anderer Gäste und Gastgeber Donald Trump.

+++ In einem offenen Brief sprechen sich Wissenschaftler aus den USA und dem Vereinigten Königreich gegen strikte Maßnahmen zur Eindämmung der SARS-CoV-2-Pandemie aus und sammeln online weitere Unterschriften für ihre in vier Sprachen übersetzte „Great Barrington Declaration“. „Wir kommen politisch sowohl von links als auch von rechts und aus der ganzen Welt und haben unsere berufliche Laufbahn dem Schutz der Menschen gewidmet“, heißt es darin. Die „derzeitige Lockdown-Politik“ habe „verheerende Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit“. Reaktionen und Einschätzung zur Erklärung gibt das Londoner Science Media Center hier.

+++ Mehr als 50 geistes- und sozialwissenschaftliche Doktorandenprogramme in den USA wollen in der Pandemie keine neuen Promovierenden aufnehmen, meldet der Chronicle.

+++ In Deutschland haben Studierende pandemiebedingt Kredite in Höhe von einer Milliarde Euro aufgenommen. Das melden mehrere Medien und die dpa unter Berufung auf ein Schreiben des Bundesbildungsministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestags (Westdeutsche Zeitung, Forschung und Lehre). Zwischen Mai und September seien 30.800 Anträge gestellt worden, vier Mal so viele wie in im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dass Studierende in der Pandemie lieber auf Eigeninitiative als auf den Staat setzen, zeigt auch die CHE-Studie zur Studienfinanzierung in Deutschland. „Die etablierten staatlichen Instrumente der Studienfinanzierung verlieren weiter rapide an Bedeutung“, erklärte Studienleiter Ulrich Müller.

+++ Der Stifterverband und die Heinz Nixdorf Stiftung fördern zwanzig Studierende mit jeweils 1.200 Euro, die mit ihren Abschlussarbeiten die digitale Entwicklung während der Corona-Pandemie in Forschung, Lehre und Verwaltung an Hochschulen erforschen. Master Lab #TheNewNormal heißt das Stipendienprogramm.

+++ Wie geht die Welt mit Corona um? Fast 12.000 Menschen aus 137 Ländern haben sich an der ersten Runde der globalen Umfrage beteiligt. Der Bericht zur Auswertung steht hier. Die zweite Befragungsrunde hat begonnen. Der Fragebogen ist aktuell in 18 Sprachen verfügbar. Ihn zu beantwortet dauert rund 15 Minuten.